Heute bin ich ganz bewusst hierhergekommen, um zu arbeiten. Weil mir dieses Umfeld guttut. Menschen, die ausprobieren, Möglichkeiten entdecken und sich gegenseitig mit ihrer Begeisterung anstecken. Herausforderungen werden hier mit einer Neugier betrachtet, die ich mir in viel mehr Unternehmen wünschen würde.
Heilbronn hat mit dem IPAI ein großes KI-Ökosystem, das Qualifizierung, Forschung, Entwicklung und Anwendung zusammenbringt. Mein persönlicher Ort, an dem Zukunft greifbar wird, liegt ein Stück weiter südlich: bei ProviMedia in Bietigheim-Bissingen. Mein KI-Hub. Mein kleiner KI-Campus.
Menschen im Büro. Und eine digitale Mannschaft im Hintergrund.
Natürlich sitzen hier Menschen an ihren Arbeitsplätzen. Sie sprechen miteinander, diskutieren über Projekte, lösen Probleme und entwickeln Ideen. Ganz normaler Büroalltag also.
Gleichzeitig arbeitet im Hintergrund eine digitale Mannschaft mit. Ein Einblick, der für mich diese neue Arbeitswelt ziemlich gut beschreibt: rund 20 Claude-Max-Accounts, deren Nutzungslimits teilweise schon am Mittwochmittag erreicht sind. Dazu um die 100 KI-Agenten, die über verschiedene Aufgaben und Projekte hinweg eingesetzt werden.
Sie schreiben und überarbeiten Code, analysieren, liefern Vorschläge und bearbeiten aufeinander abgestimmte Teilaufgaben. Die Dimension geht dabei nach meinem Einblick in die Millionen Codezeilen.
Beeindruckend ist für mich allerdings etwas anderes: wie selbstverständlich die Menschen hier mit diesen Möglichkeiten umgehen. Eine Idee bleibt seltener im Gespräch hängen. Man kann sie untersuchen, einen ersten Ansatz bauen und gemeinsam beurteilen, ob daraus etwas werden kann.
Dadurch verändert sich auch die Diskussion. Aus einer abstrakten Vorstellung wird etwas, das man zeigen, testen und verbessern kann.
Ja, der Geschäftsführer ist mein Bruder
Wer den Namen oder das Gesicht kennt, wird es vermutlich ohnehin erkennen: Alexander Weipprecht, Gründer und Geschäftsführer von ProviMedia, ist mein Bruder. Diese Verbindung gehört offen dazu, ich verstecke sie nicht.
Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mir diese Nähe bei meinen eigenen Projekten und in meiner Beratung noch keinen Vorteil gebracht hätte. Ich kann Fragen stellen, Ideen diskutieren und Entwicklungen aus nächster Nähe verfolgen.
Gerade deshalb sehe ich aber auch, wie intensiv Alexander sich mit diesen Themen beschäftigt. Mit seinem Format „Promptgeflüster“ macht er praktische KI-Anwendung und Softwareentwicklung öffentlich zugänglich. Auf dem Kanal geht es unter anderem um Claude, KI-Workflows, Automatisierung und die Arbeit mit KI-Werkzeugen.
Für mich gehört er zu den prägenden praktischen Köpfen dieser Entwicklung in Deutschland. Weil ich erlebe, mit welcher Konsequenz er Dinge baut, hinterfragt und weiterentwickelt – und wie viel von diesem Wissen er mit anderen teilt. Mitten in Bietigheim-Bissingen.
Was hier entsteht, reicht weit über schnelleres Programmieren hinaus
Ein Blick auf die Projekte zeigt, wie unterschiedlich sich KI einsetzen lässt. LearnCast AI bereitet Dokumente und Fachinhalte als Lern-Podcasts auf. Website AI Agent erschließt Website-Inhalte für die Beratung von Besuchern. Rankion beschäftigt sich mit Sichtbarkeit in Suchmaschinen und KI-Antworten.
- LearnCast AI – Fachinhalte als Lern-Podcast
- Website AI Agent – digitale Besucherberatung
- Rankion – Sichtbarkeit in Suchmaschinen und KI-Antworten
- Individuelle KI-Anwendungen, Wissenssysteme und digitale Plattformen
Dabei entsteht mit wachsender Entwicklungsgeschwindigkeit auch zusätzlicher Prüfbedarf. ProviMedia bietet mit Code Guardian ein eigenes Werkzeug an, das Änderungen und riskante Kommandos bei der KI-gestützten Softwareentwicklung kontrollieren soll.
Genau diese Verbindung halte ich für entscheidend: mehr Möglichkeiten schaffen und gleichzeitig die Qualität der Ergebnisse ernst nehmen. Millionen Codezeilen allein helfen schließlich keinem Kunden. Eine Anwendung muss ein Problem lösen, zuverlässig funktionieren und sich weiterentwickeln lassen.
Fokus: Mitarbeiter
Was mich an diesem Umfeld besonders beschäftigt: Mitarbeiter sind und bleiben das wichtigste Gut. Die zusätzlichen technischen Möglichkeiten führen zu weiteren Ideen, Projekten und Aufgaben.
Auch weniger gearbeitet wird hier meinem Eindruck nach keineswegs. Es wird viel gearbeitet, ausprobiert und diskutiert. Menschen zeigen einander, was sie geschafft haben. Eine Lösung löst die nächste Idee aus. Man spürt Freude daran, etwas bewegen zu können.
Darin liegt für mich ein wichtiger Teil der Blaupause für das Unternehmen von morgen: Beschäftigte bekommen Werkzeuge, mit denen sie mehr von ihrem Wissen und ihren Ideen umsetzen können.
Mehr Aktivität ist dabei noch kein wirtschaftlicher Erfolg. Entscheidend bleibt, welche Ergebnisse beim Kunden ankommen. Führung muss deshalb Orientierung geben: Welche Vorhaben verdienen Aufmerksamkeit? Was bringt einen nachweisbaren Nutzen? Und was lassen wir wieder sein?
Diese Entscheidungen werden mit KI eher wichtiger, nicht unwichtiger.
Die spannendste Frage betrifft das Potenzial eines Unternehmens
In meinem Artikel „Wir kennen unsere Produkte – aber kennen wir unser Potenzial?“ habe ich mich mit einer Frage beschäftigt, die mich seitdem begleitet: Welche Möglichkeiten stecken in den Fähigkeiten eines Unternehmens, die im heutigen Angebot noch gar nicht sichtbar werden?
Ein Unternehmen besitzt Fachwissen, Kundenbeziehungen, Erfahrung und eingespielte Abläufe. Neue Technologien können helfen, daraus zusätzliche Leistungen zu entwickeln.
- Beratungswissen als digitaler Service zugänglich machen
- Bisher aufwendige individuelle Auswertungen wirtschaftlich anbieten
- Internes Erfahrungswissen zu einem Werkzeug für andere Unternehmen machen
Ob eine solche Idee trägt, muss geprüft werden. Aber KI erleichtert es, einen ersten konkreten Versuch zu unternehmen. Bei ProviMedia sehe ich, wie eng diese Suche nach neuen Möglichkeiten mit dem Tagesgeschäft verbunden sein kann.
Aus eigenen Anforderungen entstehen Werkzeuge. Aus Erfahrungen mit diesen Werkzeugen entstehen weitere Angebote. Das Unternehmen lernt an dem, was es selbst entwickelt und betreibt.
Eine Herausforderung ist der Anfang eines Gesprächs
Wenn Unternehmen hier mit einer Herausforderung anrufen, erlebe ich eine Haltung, die ich sehr schätze: Man beschäftigt sich zuerst damit, was möglich sein könnte. Eine vorschnelle Absage nach dem Muster „Für Ihr Unternehmen sehe ich da keine Möglichkeit“ passt nicht zu dem, was ich hier wahrnehme.
Stattdessen wird nachgefragt. Was soll besser werden? Wo geht Zeit verloren? Welches Wissen ist vorhanden? Was könnte man mit bestehenden Produkten und Dienstleistungen zusätzlich erreichen?
Natürlich folgt daraus keine Garantie, dass jede Idee funktioniert. Es bedeutet aber, einer Möglichkeit ausreichend Aufmerksamkeit zu geben, bevor man sie verwirft. Genau diese Offenheit brauchen Unternehmen, wenn sie die technischen und organisatorischen Chancen der digitalen Transformation für sich entdecken wollen.
So stelle ich mir das Unternehmen der Zukunft vor
Nicht jedes Unternehmen muss Software entwickeln oder eine große Zahl von KI-Agenten einsetzen. Aber jedes Unternehmen sollte Raum dafür schaffen, die eigenen Möglichkeiten neu zu betrachten.
Dazu gehören zugängliche Werkzeuge, Zeit zum Lernen und Menschen, die ihr Wissen miteinander teilen. Dazu gehört eine Führung, die Versuche ermöglicht und Ergebnisse kritisch beurteilt. Und dazu gehört der Mut, aus einer guten Idee tatsächlich etwas zu machen.
Heute wollte ich in einem Umfeld arbeiten, das diese Haltung ausstrahlt. In dem Veränderung Energie freisetzt. In dem Menschen Lust auf das haben, was sie gemeinsam schaffen können.
Deshalb bin ich hier. Heilbronn hat IPAI. Und ich habe meinen persönlichen KI-Campus in Bietigheim-Bissingen: einen Ort, an dem ich die Welt von morgen ein Stück früher sehen kann.