Der Handel verändert sich. Und manchmal braucht es genau die richtigen Gespräche, um das wieder bewusst zu spüren.
Im Oktober 2025 durfte ich beim Retail Summit der Bütema AG in Bietigheim-Bissingen einen Vortrag halten. Vertreter aus Handel, Technologie und Medien kamen zusammen, um über die Zukunft des stationären Handels und die Rolle digitaler Technologien zu sprechen.
Solche Veranstaltungen sind für mich immer etwas Besonderes. Nicht wegen der Bühne, sondern wegen der Gespräche davor, danach und dazwischen. Denn genau dort zeigt sich oft sehr klar, wo der Handel heute wirklich steht.
Drei Perspektiven auf die Zukunft des Handels
Der Retail Summit brachte unterschiedliche Perspektiven zusammen, die gemeinsam ein spannendes Gesamtbild ergeben haben.
Retail Media: Verkaufsflächen werden zunehmend zu Kommunikations- und Medienplattformen. Der stationäre Store ist längst nicht mehr nur Verkaufsraum, sondern auch Reichweitenraum.
Künstliche Intelligenz: KI entwickelt sich rasant weiter und eröffnet neue Möglichkeiten für Analyse, Automatisierung und Entscheidungsunterstützung. Gleichzeitig bleibt klar: Kreativität, Einordnung und Verantwortung liegen weiterhin beim Menschen.
Omnichannel: Mein Vortrag beschäftigte sich mit einem Thema, das viele Unternehmen seit Jahren begleitet – und das dennoch häufig nicht vollständig gelöst ist.
Omnichannel – verbunden, aber nicht vereint
Omnichannel gehört seit Jahren zu den meistgenutzten Begriffen im Handel. Viele Unternehmen haben in neue Systeme und Plattformen investiert.
Typische Investitionen sind zum Beispiel:
- moderne Shopsysteme
- POS-Lösungen im stationären Handel
- Order-Management-Systeme (OMS)
- Datenplattformen und Integrationen
- digitale Prozesse zwischen Online und Filiale
Technisch ist heute vieles möglich. Und dennoch zeigt sich in der Praxis immer wieder ein ähnliches Bild:
Die Systeme sind verbunden. Die Organisationen sind es häufig nicht.
Das eigentliche Problem liegt selten in der Technik
In vielen Projekten zeigt sich, dass die größten Herausforderungen im Omnichannel nicht im Code liegen. Technische Integrationen lassen sich heute in den meisten Fällen lösen.
Die eigentlichen Herausforderungen entstehen häufig durch:
- Silos zwischen Abteilungen
- unterschiedliche Zielsysteme im Unternehmen
- historisch gewachsene Organisationsstrukturen
- fehlende gemeinsame Verantwortlichkeiten
- ein Denken in Kanälen statt in Kundenerlebnissen
Omnichannel bedeutet daher nicht nur, Systeme zu integrieren. Es bedeutet vor allem, Denkweisen miteinander zu verbinden.
Omnichannel ist ein Kulturprojekt
Ein Unternehmen wird nicht automatisch omnichannelfähig, nur weil eine neue Plattform eingeführt wird.
Entscheidend sind vielmehr grundlegende Fragen:
- Wer trägt Verantwortung für den Kunden?
- Wer verantwortet den Umsatz über alle Kanäle hinweg?
- Wer entscheidet über Prozesse zwischen Onlinehandel und Filiale?
- Wer übernimmt Verantwortung über Abteilungsgrenzen hinaus?
Solange Online-Teams und Retail-Teams unterschiedliche Ziele verfolgen, bleibt Omnichannel oft eine technische Vision – aber keine gelebte Realität im Alltag.
Die Brücke zwischen Systemen und Menschen
Der Handel bringt eigentlich bereits viele wichtige Voraussetzungen mit.
- leistungsfähige Technologien
- direkte Kundennähe
- starke Marken
- engagierte Teams
Was häufig fehlt, ist die Verbindung dieser Welten. Erst wenn Systeme, Prozesse und Menschen zusammenarbeiten, entsteht ein echtes Omnichannel-Erlebnis für den Kunden.
Genau hier liegt auch meine Motivation: Unternehmen dabei zu begleiten, technische Möglichkeiten mit organisatorischen Strukturen und praktischer Umsetzung zusammenzubringen.
Warum solche Veranstaltungen wichtig sind
Veranstaltungen wie der Retail Summit schaffen Raum für echten Austausch. Handel, Technologieanbieter und Experten können ihre Perspektiven teilen und voneinander lernen.
Es geht dabei weniger um Produkte oder Systeme, sondern vielmehr um Erfahrungen, Erkenntnisse und die gemeinsamen Herausforderungen der Branche.
Genau aus solchen Gesprächen entstehen oft die Impulse, die den Handel langfristig weiterbringen.
Fazit
Omnichannel ist kein einmal erreichter Zustand. Es ist ein fortlaufender Prozess.
Technologie spielt dabei eine wichtige Rolle. Entscheidend ist jedoch, dass auch Organisationen und Menschen miteinander verbunden werden.
Wenn Systeme verbunden sind, Organisationen jedoch getrennt bleiben, entsteht kein echtes Omnichannel-Erlebnis.
Dann bleibt es bei einem Zustand, den viele Unternehmen heute kennen: verbunden – aber nicht vereint.