Zum Inhalt springen
Omnichannel – verbunden, aber nicht vereint

Omnichannel – verbunden, aber nicht vereint

Felix Weipprecht | 15.03.2026 | 4 Min. Lesezeit
Omnichannel – verbunden, aber nicht vereint

Das Wichtigste in Kürze

  • Omnichannel scheitert meist nicht an der Technik, sondern an getrennten Organisationsstrukturen und Silos zwischen Abteilungen
  • Echte Omnichannel-Transformation ist ein Kulturprojekt, das gemeinsame Verantwortlichkeiten und einheitliche Ziele erfordert
  • Moderne Technologien wie Shopsysteme, POS-Lösungen und Order-Management-Systeme sind verfügbar - die Integration von Menschen und Prozessen ist die größere Herausforderung
  • Erfolgreiche Omnichannel-Strategien entstehen nur, wenn Online-Teams und Retail-Teams dieselben Kundenziele verfolgen
  • Der stationäre Handel entwickelt sich von reinen Verkaufsflächen zu Kommunikations- und Medienplattformen mit Retail Media-Fokus

Der Handel verändert sich. Und manchmal braucht es genau die richtigen Gespräche, um das wieder bewusst zu spüren.

Im Oktober 2025 durfte ich beim Retail Summit der Bütema AG in Bietigheim-Bissingen einen Vortrag halten. Vertreter aus Handel, Technologie und Medien kamen zusammen, um über die Zukunft des stationären Handels und die Rolle digitaler Technologien zu sprechen.

Solche Veranstaltungen sind für mich immer etwas Besonderes. Nicht wegen der Bühne, sondern wegen der Gespräche davor, danach und dazwischen. Denn genau dort zeigt sich oft sehr klar, wo der Handel heute wirklich steht.

Drei Perspektiven auf die Zukunft des Handels

Der Retail Summit brachte unterschiedliche Perspektiven zusammen, die gemeinsam ein spannendes Gesamtbild ergeben haben.

Retail Media: Verkaufsflächen werden zunehmend zu Kommunikations- und Medienplattformen. Der stationäre Store ist längst nicht mehr nur Verkaufsraum, sondern auch Reichweitenraum.

Künstliche Intelligenz: KI entwickelt sich rasant weiter und eröffnet neue Möglichkeiten für Analyse, Automatisierung und Entscheidungsunterstützung. Gleichzeitig bleibt klar: Kreativität, Einordnung und Verantwortung liegen weiterhin beim Menschen.

Omnichannel: Mein Vortrag beschäftigte sich mit einem Thema, das viele Unternehmen seit Jahren begleitet – und das dennoch häufig nicht vollständig gelöst ist.

Omnichannel – verbunden, aber nicht vereint

Omnichannel gehört seit Jahren zu den meistgenutzten Begriffen im Handel. Viele Unternehmen haben in neue Systeme und Plattformen investiert.

Typische Investitionen sind zum Beispiel:

  • moderne Shopsysteme
  • POS-Lösungen im stationären Handel
  • Order-Management-Systeme (OMS)
  • Datenplattformen und Integrationen
  • digitale Prozesse zwischen Online und Filiale

Technisch ist heute vieles möglich. Und dennoch zeigt sich in der Praxis immer wieder ein ähnliches Bild:

Die Systeme sind verbunden. Die Organisationen sind es häufig nicht.

Das eigentliche Problem liegt selten in der Technik

In vielen Projekten zeigt sich, dass die größten Herausforderungen im Omnichannel nicht im Code liegen. Technische Integrationen lassen sich heute in den meisten Fällen lösen.

Die eigentlichen Herausforderungen entstehen häufig durch:

  • Silos zwischen Abteilungen
  • unterschiedliche Zielsysteme im Unternehmen
  • historisch gewachsene Organisationsstrukturen
  • fehlende gemeinsame Verantwortlichkeiten
  • ein Denken in Kanälen statt in Kundenerlebnissen

Omnichannel bedeutet daher nicht nur, Systeme zu integrieren. Es bedeutet vor allem, Denkweisen miteinander zu verbinden.

Omnichannel ist ein Kulturprojekt

Ein Unternehmen wird nicht automatisch omnichannelfähig, nur weil eine neue Plattform eingeführt wird.

Entscheidend sind vielmehr grundlegende Fragen:

  • Wer trägt Verantwortung für den Kunden?
  • Wer verantwortet den Umsatz über alle Kanäle hinweg?
  • Wer entscheidet über Prozesse zwischen Onlinehandel und Filiale?
  • Wer übernimmt Verantwortung über Abteilungsgrenzen hinaus?

Solange Online-Teams und Retail-Teams unterschiedliche Ziele verfolgen, bleibt Omnichannel oft eine technische Vision – aber keine gelebte Realität im Alltag.

Die Brücke zwischen Systemen und Menschen

Der Handel bringt eigentlich bereits viele wichtige Voraussetzungen mit.

  • leistungsfähige Technologien
  • direkte Kundennähe
  • starke Marken
  • engagierte Teams

Was häufig fehlt, ist die Verbindung dieser Welten. Erst wenn Systeme, Prozesse und Menschen zusammenarbeiten, entsteht ein echtes Omnichannel-Erlebnis für den Kunden.

Genau hier liegt auch meine Motivation: Unternehmen dabei zu begleiten, technische Möglichkeiten mit organisatorischen Strukturen und praktischer Umsetzung zusammenzubringen.

Warum solche Veranstaltungen wichtig sind

Veranstaltungen wie der Retail Summit schaffen Raum für echten Austausch. Handel, Technologieanbieter und Experten können ihre Perspektiven teilen und voneinander lernen.

Es geht dabei weniger um Produkte oder Systeme, sondern vielmehr um Erfahrungen, Erkenntnisse und die gemeinsamen Herausforderungen der Branche.

Genau aus solchen Gesprächen entstehen oft die Impulse, die den Handel langfristig weiterbringen.

Fazit

Omnichannel ist kein einmal erreichter Zustand. Es ist ein fortlaufender Prozess.

Technologie spielt dabei eine wichtige Rolle. Entscheidend ist jedoch, dass auch Organisationen und Menschen miteinander verbunden werden.

Wenn Systeme verbunden sind, Organisationen jedoch getrennt bleiben, entsteht kein echtes Omnichannel-Erlebnis.

Dann bleibt es bei einem Zustand, den viele Unternehmen heute kennen: verbunden – aber nicht vereint.

Omnichannel Retail-Transformation Digitalisierung Kundenzentrierung Organisationsentwicklung Retail-Media E-Commerce-Integration

Häufige Fragen

Die meisten Omnichannel-Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an organisatorischen Problemen: Silos zwischen Abteilungen, unterschiedliche Zielsysteme, fehlende gemeinsame Verantwortlichkeiten und ein Denken in Kanälen statt in Kundenerlebnissen.
Typische Omnichannel-Technologien sind moderne Shopsysteme, POS-Lösungen, Order-Management-Systeme (OMS), Datenplattformen und Integrationen sowie digitale Prozesse zwischen Online und Filiale. Die Technik ist heute meist vorhanden.
Omnichannel erfordert eine fundamentale Änderung der Denkweise: von der Kanal-Optimierung zur Kundenzentrierung. Entscheidend sind gemeinsame Verantwortlichkeiten, einheitliche Ziele und die Überbrückung von Abteilungssilos - das ist Organisationsentwicklung, nicht nur Technik.
Verkaufsflächen werden zu Kommunikations- und Medienplattformen. Der stationäre Store ist nicht mehr nur Verkaufsraum, sondern auch Reichweitenraum für Retail Media. KI unterstützt dabei Analyse und Entscheidungsprozesse, während Kreativität beim Menschen bleibt.
Viele Unternehmen haben ihre Systeme technisch integriert, aber die Organisationen arbeiten weiterhin in Silos. Die Technik ist verbunden, aber Teams, Prozesse und Ziele sind nicht vereint - das verhindert echte Omnichannel-Erlebnisse für Kunden.
Beitrag teilen
LinkedIn X
// beratung

Sie brauchen KI-Beratung?

Ich helfe Unternehmen, KI sinnvoll einzusetzen. Von der Analyse bis zur Umsetzung.

Kontakt aufnehmen